
Benedikt Steinmetz war so freundlich mir sein aktuelles Buch “von Amts wegen” zu schicken, das sich den städtischen Ämtern seiner Heimatstadt Saarbrücken widmet.
Vom Sozialamt bis zur unteren Bauaufsichtsbehörde zeigt uns Steinmetz amtliche Fassaden in kontrastreichen Schwarzweißbildern. Mal trostlos, mal eintönig, mal abweisend, aber immer mit hohem Wiedererkennungswert fotogafiert er, woran kein Deutscher jemals vorbeikommt: das Amt.
Was zunächst nach einer eher schlichten Idee klingt, kann durch Konsequenz und gelungene Form vollständig überzeugen.
Das marmorierte Softcover mit Kleberücken im Format 24×29 cm ist einer Amtsbroschüre nachempfunden und die Bildbeschriftungen sind in Schreibmaschinentypografie ausgeführt, so dass im Zusammenspiel mit den Bildern ein deutliches Retro-Gefühl aufkommt.

Hier sind das Amt für Grünanlagen, Forsten und Landwirtschaft oder das Jugendamt noch nicht in der heutigen Dienstleistungsgesellschaft angekommen, sondern unverändert bürokratisch, ordentlich und unzugänglich.
Die Unzugänglichkeit findet im Anhang II des Buches, “Der Eingangshinweis”, noch eine besondere Würdigung.
Und wenn die Fenster des Amtes für Stadtmarketing und Öffentlichkeitsarbeit wie leere, schwarze Löcher wirken und im Fenster des bunkerartigen Ministeriums für Umwelt zwei verlorene Klebeschmetterlinge tanzen, dann weiß man, mit welchem Blick Benedikt Steinmetz die Fassaden dieser Ämter betrachtet: spöttisch und doch auch liebevoll. – Nicht zuletzt diese besondere Mischung macht den Reiz der Arbeit aus.

Im Jahr 2011 hat mit kein anderes Buch soviel Spaß gemacht wie Benedikt Steinmetz’ “von Amts wegen”, das bei Schaden.com erschienen ist. Auch wenn Benedikt sicherlich protestieren würde, dass es sich bei seinem Buch keineswegs um Spaß, sondern um eine ernste Angelegenheit handelt: eben voll amtlich.
