06 Okt 2011

Street Photography 2011 – Seconds2Real in Berlin

Geschrieben von (PF) um 7:00 Uhr

Seconds2Real in Berlin

Foto: Elisabeth Schuh

 

Vom 15. Oktober bis zum 30. Oktober 2011 zeigt das Straßenfotografie-Kollektiv Seconds2Real seine erste Gruppenausstellung in Berlin. Unter dem Titel “fascination street” werden über 100 Arbeiten von den Seconds2Real-Fotografen im MEINBLAU Kunsthaus gezeigt.

Die Vernissage ist am 14. Oktober 2011 ab 19:00 Uhr.

Anlässlich der Ausstellung habe ich ein Interview mit dem Seconds2Real-Fotografen Kay von Aspern geführt:

Peter Feldhaus: Das Straßenfotografen-Kollektiv Seconds2Real wurde 2007 von Ronny Künniger gegründet. Wie haben sich die Fotografen gefunden und wieso die Beschränkung auf Fotografen aus Deutschland und Österreich?

Kay von Aspern: Ursprünglich hat Ronny als Begründer der Gruppe die Entscheidung, welche Fotografen aufgenommen werden, für sich allein getroffen. Basierend auf seiner persönlichen fotografischen Vorliebe entstand so eine zunächst internationale Gruppe aus ungefähr 10-15 Straßenfotografen.

Nach relativ kurzer Zeit stand aber fest, dass sich strukturell etwas ändern muss, wenn man nicht einfach eine weitere beliebige Online-Plattform sein wollte. Seconds2Real veränderte daher seine Mitgliederstruktur, die Fotografen stammen nun alle aus dem deutschsprachigen Raum und eine Definition, wer oder was wir sind, fällt jetzt leichter. Der hauptsächliche Vorteil bestand allerdings darin, nun relativ unkompliziert gemeinsame Projekte, wie zum Beispiel Ausstellungen, umsetzen zu können.

Außerdem finden regelmäßige Treffen statt. Und zwar einerseits online in Form von Gruppen- bzw. Mitgliederkonferenzen via Skype und andererseits in Form von persönlichen Treffen. Uns sind der direkte, persönliche Kontakt und die gemeinsamen Projekte sehr wichtig. Dies lässt sich leichter durch eine gewisse geografische Nähe realisieren.

Peter: Ihr trefft euch als Gruppe regelmäßig in verschiedenen Städten. Wie oft finden diese Treffen statt und wie kann man sich den Ablauf der Treffen vorstellen? Und wieso immer in verschiedenen Städten?

Kay: Die ‘großen’ Treffen, an denen fast immer alle Mitglieder der Gruppe teilnehmen, finden ungefähr einmal im Jahr statt. Es gibt in der Regel aber jährlich auch mehrere kleinere Treffen, zu denen dann manchmal auch nur zwei, drei oder vier Fotografen von uns zusammenkommen.
Verschiedene Städte deshalb, um ein wenig Abwechslung in die Treffen zu bringen. Wir sind bei allem Engagement kein Verein oder Fotoclub, der stur ein Programm nach Statuten absolviert, sondern wir wollen bei den Treffen auch unseren Spaß haben und unsere Individualität beibehalten. Der Ablauf wird nur grob organisiert.

Wir laufen auch nicht die ganze Zeit als Fotogruppe herum. Einige nutzen die Zeit zum Fotografieren, einige schauen sich einfach die Stadt an oder besuchen Ausstellungen. Abends treffen wir uns zum Essen und es wird natürlich viel über Straßenfotografie gesprochen.
Einige bringen Prints oder ganze Mappen mit, die herumgereicht werden. Es werden Bilder gesichtet und besprochen. Alles in einer freundschaftlichen und konstruktiven Atmosphäre. Auch werden auf den Treffen grundsätzliche Pläne gemacht und Projekte beschlossen, wie zum Beispiel unsere aktuelle Ausstellung in Berlin, die Mitte Oktober eröffnet wird.

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Foto: Christian Reister

 

Peter: In den letzten Monaten hat die sonst eher wenig beachtete Straßenfotografie viel Aufmerksamkeit erfahren.
Es gab das Buch “Street Photography Now” mit der dazugehörigen Wanderausstellung und dem flickr-Projekt, den Hype um das Werk der posthum entdeckten Vivian Maier und das London Street Photography Festival, – um nur einige Stichpunkte zu nennen.
Wie ist diese erhöhte Aufmerksamkeit bei euch als Gruppe angekommen und hat sich für euch dadurch etwas verändert?

Kay: Die von dir genannten Dinge waren – denke ich – hilfreich für die Straßenfotografie insgesamt. Alles zusammen hat ganz sicher der Straßenfotografie und auch uns als Fotografen und als Gruppe geholfen, unseren Bildern etwas mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen. Ein Seconds2Real Fotograf – Siegfried Hansen aus Hamburg – ist ja auch in dem Buch vertreten und war in begleitenden Ausstellungen zum Buch mit dabei. Darüber freuen wir uns als Gruppe.
Was die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit angeht hat sich für uns also sicher einiges getan. Allerdings nicht in dem Ausmaß, wie es sich im anglo-amerikanischen Raum ausgewirkt hat. Trotzdem motiviert dieser aktuelle “Hype” dazu, selbst etwas auf die Beine zu stellen, das eine größere Öffentlichkeit erreicht.

Peter: Im Oktober zeigt Seconds2Real seine erste Gruppenausstellung im MEINBLAU Kunsthaus in Berlin. War eine Gruppenstellung ein klares Ziel von euch oder wie kam die Ausstellung in Berlin zustande? Und worum geht es in der Ausstellung “fascination street”, was wollt ihr den Besuchern zeigen?

Seconds2Real in Berlin

Foto: Siegfried Hansen

 

Kay: Ganz eindeutig ja! Eine Gruppenausstellung war ein vorrangiges Ziel und nach Berlin soll damit nicht Schluss sein: Es ist konkret geplant, “fascination street” 2012 auch in Wien zu zeigen. Weitere Städte sind angedacht. Wie bereits weiter oben erwähnt, soll Seconds2Real keine weitere beliebige Online-Community sein, sondern lebt durch den persönlichen Kontakt zwischen den Fotografen und durch Projekte, die ‘im richtigen Leben’ stattfinden, außerhalb des virtuellen Raums.

“fascination street” ist unsere erste gemeinsame Ausstellung und wir möchten den Besuchern einen Eindruck vermitteln, wie zeitgenössische Straßenfotografie aussehen kann. Die an der Ausstellung beteiligten Fotografen arbeiten sehr unterschiedlich und ich glaube, es wird deutlich, wie viele Facetten Straßenfotografie zu bieten hat.

Peter: Wie wird es mit Seconds2Real weitergehen? Habt ihr Euch als Gruppe gefunden oder seid ihr noch offen für Neuzugänge?

Kay: Grundsätzlich wollen wir den eingeschlagenen Weg so weitergehen. Es kommt uns aber nicht darauf an, der größte „Straßenfotografenclub“ oder sowas zu werden. Wir sind an einer stabilen Gemeinschaft interessiert, die die Leidenschaft für die Straßenfotografie teilt. Und die Chemie zwischen den Fotografen muss zumindest soweit stimmen, dass eine konstruktive Zusammenarbeit möglich ist. Im Zweifel geht dieser Punkt sogar über die fotografischen Leistungen hinaus.

Aus diesen Gründen sind wir mit Neuaufnahmen sehr zurückhaltend, schließen diese aber auch nicht völlig aus. Zum Ende des Jahres wird nach längerer Zeit wahrscheinlich wieder ein weiterer Fotograf dazukommen. Es ist aber nicht unser Ziel, die Gruppe ständig zu erweitern. Wir möchten lieber aus der bestehenden Gruppe das Bestmögliche herausholen.

Peter:
Vielen Dank für das Interview.

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Ein Kommentar

  1. Kommentar ohne Gravatar

    Ed

    via Website

    06 Okt 2011

    Street these days in general is in a sorry state due to the overhyped billion megapixel Anglosaxon assault on the public. Wether this group is part of it return to health or not is not my judgement call. But some of what I see I like (for once), and since my street allergy that may be saying something. Keep things exclusive Ron, remember viel Spreuhe wenig Weitzen to be seen in general.