04 Feb 2009

A New Life: Bill Owens’ Suburbia

Geschrieben von (PF) um 7:00 Uhr

Bill Owens

Der Blick des Europäers auf die neue Welt Nordamerikas war schon immer sehr speziell. Egal ob Projektionsfläche oder Fluchtraum, vom Traum zum Albtraum war es immer nur ein kleiner Schritt. Dieser Blick des Außenseiters hat uns so berühmte Fotobücher beschert wie Robert Franks stilbildende Elegie “Die Amerikaner” (1958) oder Jacob Holdts naiv-entsetztes “Amerikabilder 1970-1975″ (1977).
Im Gegensatz dazu bietet Bill Owens kaum minder berühmtes Buch “Suburbia” (1977) eine staunende Innenschau: den Blick Amerikas auf sich selbst.

Bill Owens arbeitete 1972 als Pressefotograf für den Livermore Independent als er – gleichermaßen verwundert und fasziniert von seiner Umgebung – begann, das Leben in den Vororten des Amador Valleys in Kalifornien zu dokumentieren. Owens fotografierte seine Freunde und Nachbarn zu Gelegenheiten wie Erntedank, Weihnachten, Geburtstagen oder am Unabhängigkeitstag. Scheinbar ungefiltert zeigt er den Alltag, Stolz und Lebensfreude der amerikanischen Mittelschicht im Sprawl der San Francisco Bay Area.

Die Stärke des Buches “Suburbia” liegt sicherlich darin, dass Bill Owens, obwohl selbst Teil der Gemeinde, kein letztgültiges Urteil fällt. Bei aller Empathie für sein Sujet bleiben Owens Bilder interpretationsoffen. Somit lässt sich sein Buch als Kritik am amerikanischen Mittelstand der siebziger Jahre interpretieren, aber auch als (in der Rückschau) nostalgische Würdigung des Lebens in den kalifornischen Vororten – ein Bild des damals noch ungebrochenen amerikanischen Selbstverständnisses: “Hier sind wir. Und wo sonst könnten wir sein?”.

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