
Ich habe so meine Schwierigkeiten mit dem Werk von Michael Schmidt. Bei “Frauen” (2000) mochte ich nicht den subjektiven, männlichen Blick auf die Porträtierten. “Waffenruhe” (1987), sicherlich ein sehr interessantes Buch, war mir zu finster, zu sehr deutsch.
Als ich vor einigen Monaten in der Buchhandlung “Irgendwo” (2005) durchblätterte, hat es mich spontan angesprochen. “Irgendwo” zeigt Unorte: Supermarktparkplätze, Reihenhäuser, Straßenkreuzungen im unerträglichen Grau des Schmidtschen Universums. Dazwischen immer wieder Porträts von Menschen wie man sie eben an solchen Orten findet: Sekretärinnen, Schülerinnen, Bankangestellte, die für einen kurzen Moment innehalten.
Die Orte sind präzise beobachtet und ausgewählt, man meint sie wieder zu erkennen. Den abgebildeten Menschen ist man vielleicht schon begegnet und hat sie gleich wieder vergessen. Dazu ein paar fast schon ironische Details: eine hässliche Klinkerwand als Hintergrund für ein Porträt, der Wunderbaum am Rückspiegel eines geparkten Wagens, ein Hochsitz am Kinderspielplatz mit Ausblick auf die Kleinstadt oder ein zugemauerter Durchgang.
Wie sieht diese Welt eigentlich aus? Und warum so? Mit leisen, fast freundlichen Worten spricht das Buch: “Es ist ok. So ist es eben. Es ist in Ordnung. Lass es einfach geschehen” – und zieht sich über deinem Kopf zusammen wie eine durchsichtige Plastiktüte…

Uwe Nölke
via Website
20 Jan 2009
Ein wirklich sehr interessantes Buch. Eine Sammlung von visuellen Banalitäten, verdichtet dargestellt. Gefällt mir sehr gut. Unser Welt ist schön
Lothar Seifert
via Website
09 Jan 2010
Es ist ja heute nicht mehr so einfach, Bilder von Menschen im alltäglichen Leben abzulichten. Werden solche interessante Werke aussterben? Ein Fotgraf kann ja unmöglich mit allen Menschen, die auf Fotos zu sehen sind, einen Model-Release-Vertrag machen.